Am 20. Juli 2026 durfte ich Elisabeth Kaiser, Staatsministerin im Bundesministerium der Finanzen, Ostbeauftragte der Bundesregierung und betreuende Bundestagsabgeordnete für den Ilm-Kreis, durch Ilmenau begleiten.
Für mich sind solche Termine ein wichtiger Bestandteil politischer Arbeit. Bundespolitik darf nicht losgelöst von den konkreten Lebensrealitäten vor Ort betrachtet werden. Gleichzeitig müssen die Anliegen unserer Kommunen, Unternehmen und sozialen Einrichtungen ihren Weg nach Berlin finden.
Deshalb haben wir drei sehr unterschiedliche Stationen besucht. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen, die für die Zukunft unserer Region von großer Bedeutung sind: Verkehrsinfrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung und Pflege.
Ilmenau-Wümbach: Wir brauchen den Regionalbahnhalt
Unser erster Termin führte uns zu einem Austausch mit der Ilmenauer Bürgermeisterin Beate Misch. Im Mittelpunkt stand der geplante Regionalbahnhalt Ilmenau-Wümbach.
Der bestehende Betriebs- und Überholbahnhof Ilmenau-Wümbach verfügt bereits über technische Voraussetzungen, die perspektivisch einen Halt von Zügen ermöglichen. Gleichzeitig haben Stadt und Landkreis ihre Bereitschaft erklärt, die notwendigen Voraussetzungen für einen Personenbahnhof zu schaffen. Dazu gehören auch eine entsprechende Anbindung an den örtlichen ÖPNV und ein P+R-Angebot.
Für mich ist klar: Ilmenau braucht eine bessere überregionale Verkehrsanbindung.
Ilmenau ist Universitätsstadt, Wirtschaftsstandort und ein wichtiger Arbeitsmarktstandort im Süden Thüringens. Eine zusätzliche Bahnanbindung am Standort Wümbach könnte insbesondere die Erreichbarkeit in Richtung Süden verbessern und damit sowohl für Studierende und Beschäftigte als auch für Unternehmen einen wichtigen Mehrwert schaffen.
Elisabeth Kaiser hat ihre Unterstützung für das Anliegen zugesagt und will sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Interessen der Stadt Ilmenau und des Ilm-Kreises Gehör finden.
„Wir sollten nicht darüber reden, warum etwas nicht geht, sondern gemeinsam daran arbeiten, wie es gehen kann. Beim Bahnhalt Ilmenau-Wümbach haben Stadt und Landkreis ihre Bereitschaft gezeigt. Jetzt braucht es Unterstützung auf Landes- und Bundesebene. Ich freue mich, dass Elisabeth Kaiser diesen Weg mit uns gehen will.“
Für mich ist wichtig, dass wir bei diesem Projekt nicht bei Absichtserklärungen stehen bleiben. Wenn die Voraussetzungen vor Ort geschaffen werden können, sollten wir gemeinsam daran arbeiten, auch die übergeordneten politischen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen.
Ortsumfahrung Gehren wieder auf die politische Tagesordnung setzen
Neben dem Bahnhalt Ilmenau-Wümbach wurde auch die Ortsumfahrung des Ilmenauer Ortsteils Gehren thematisiert.
Das Projekt ist im Bundesverkehrswegeplan zuletzt deutlich in den Hintergrund gerückt. Die Stadt Ilmenau möchte die Diskussion darüber wieder beleben.
Auch ich halte es für richtig, die Argumente und den aktuellen Bedarf erneut zu betrachten. Gerade bei größeren Infrastrukturprojekten muss regelmäßig geprüft werden, welche Bedeutung sie für die Entwicklung einer Region haben.
Elisabeth Kaiser hat auch hier ihre Unterstützung signalisiert.
BINZ: Ein starker Ilmenauer Standort mit Zukunft
Nach dem Gespräch im Rathaus ging es weiter zu BINZ Ambulance- und Umwelttechnik.
Das Unternehmen entwickelt und fertigt Spezialfahrzeuge für unterschiedliche Einsatzbereiche, unter anderem für Rettungsdienste, Feuerwehr und Behörden. Damit steht BINZ beispielhaft für die industrielle Kompetenz und die hohe Spezialisierung, die wir an vielen Standorten im Ilm-Kreis finden.
Empfangen wurden wir von Katrin Gerber, Leiterin Einkauf und IT, Franziska Riese-Hintze, Personalleiterin, und Maria Nitsche, Leiterin Finanzen und Controlling.
Bei einem Rundgang durch das Werk konnten wir einen unmittelbaren Einblick in die Produktion und die Entwicklung des Unternehmens bekommen. Besonders interessant waren die aktuellen Investitionen und die Pläne für die weitere Entwicklung des Standortes.
Im Mittelpunkt unseres Gesprächs standen das Wachstum von BINZ in den vergangenen Jahren, die Herausforderungen bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften sowie die Ausbildung junger Menschen.
Ein besonders spannendes Projekt ist der Aufbau der neuen RTW-Fertigungslinie in Ilmenau. Damit will das Unternehmen seine Produktionskapazitäten weiter ausbauen und den Standort nachhaltig stärken.
Solche Investitionen sind für unsere Region von großer Bedeutung. Sie sichern Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Know-how vor Ort.
Bürokratieabbau muss im Alltag ankommen
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war der Bürokratieabbau.
Gerade bei BINZ wurde deutlich, dass es dabei nicht um ein abstraktes politisches Schlagwort geht. Für ein Unternehmen, das überwiegend in öffentlichen Vergabeverfahren arbeitet, sind bürokratische Anforderungen und die Ausgestaltung von Vergabeverfahren unmittelbarer Bestandteil des Arbeitsalltags.
„BINZ zeigt eindrucksvoll, welches industrielle Know-how und welche Innovationskraft in unserem Ilm-Kreis stecken. Wenn wir solche Unternehmen stärken wollen, müssen wir ihnen auch die richtigen Rahmenbedingungen geben. Bürokratieabbau muss deshalb im Alltag spürbar werden – nicht nur in politischen Sonntagsreden.“
Für mich bedeutet Wirtschaftspolitik deshalb auch, genau hinzuhören: Wo liegen konkrete Hemmnisse? Was verhindert Investitionen? Wo können Verfahren vereinfacht werden, ohne notwendige Standards aufzugeben?
Diese Erfahrungen müssen in die politische Arbeit auf Landes- und Bundesebene einfließen.
Pflegepolitik: Die Perspektive der Betroffenen muss gehört werden
Die letzte Station unseres Tages führte uns zur Diakonie Sozialstation Ilmenau.
Mit der Leiterin, Frau Hähnlein-Wolf, sprachen wir über den Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG).
Gerade bei der Pflege ist es aus meiner Sicht besonders wichtig, politische Entscheidungen nicht ausschließlich aus der Perspektive von Verwaltung und Gesetzgebung zu betrachten. Pflege betrifft Menschen unmittelbar – Pflegebedürftige ebenso wie ihre Angehörigen und diejenigen, die täglich in Pflegeeinrichtungen arbeiten.
Deshalb war mir der direkte Austausch besonders wichtig.
Wir konnten nicht nur über den Gesetzentwurf sprechen, sondern auch die beiden Wohngemeinschaften der Diakonie kennenlernen. Dabei kamen wir mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch und erhielten einen unmittelbaren Einblick in ihren Alltag.
„Pflegepolitik muss bei den Menschen ankommen. Deshalb müssen wir denjenigen zuhören, die Pflege täglich erleben – den Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und den Menschen, die in den Einrichtungen arbeiten. Ihre Erfahrungen gehören in die politische Debatte über das PNOG.“
Genau dieser direkte Austausch ist für mich ein wichtiger Teil guter Politik. Gesetzliche Regelungen müssen nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern auch im Alltag der Menschen und Einrichtungen.
Anliegen aus dem Ilm-Kreis nach Berlin tragen
Die drei Termine mit Elisabeth Kaiser waren sehr unterschiedlich und hatten doch einen gemeinsamen Kern: Es ging um konkrete Herausforderungen und Chancen unserer Region.
Ein zusätzlicher Bahnhalt in Ilmenau-Wümbach kann unsere Stadt besser anbinden. Investitionen wie bei BINZ stärken unseren Wirtschaftsstandort. Und bei der Pflege müssen wir sicherstellen, dass politische Entscheidungen die Realität der Menschen berücksichtigen.
Als Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD Ilm-Kreis und stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Ilmenau ist es mir wichtig, genau diese Verbindung herzustellen: zuhören, Anliegen aufnehmen und sie an die Stellen tragen, an denen politische Entscheidungen getroffen werden.
Der direkte Austausch mit Elisabeth Kaiser bietet dafür eine wichtige Möglichkeit. Als Ostbeauftragte der Bundesregierung und unsere betreuende Bundestagsabgeordnete kann sie die Perspektiven unserer Region unmittelbar in die Bundespolitik einbringen.
Mein Anspruch ist dabei klar: Wir müssen die Entwicklung unseres Ilm-Kreises aktiv gestalten und dürfen uns nicht damit zufriedengeben, dass über unsere Region entschieden wird.
Vielen Dank an Elisabeth Kaiser für den Besuch und den offenen Austausch. Ebenso danke ich Bürgermeisterin Beate Misch, den Verantwortlichen von BINZ und der Diakonie Sozialstation Ilmenau für die offenen Gespräche und die Einblicke in ihre Arbeit.
Ich nehme aus diesem Tag viele konkrete Anliegen mit – und vor allem die Überzeugung, dass wir gemeinsam etwas bewegen können, wenn kommunale, Landes- und Bundespolitik miteinander ins Gespräch kommen.